~Rede, damit ich dich sehe~


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Unverhofft kommt oft ...

Heute war einer der beschissensten Tage seit LANGEM. Hatte heute sehr "erhellende" Gesprächspartner und nie im Leben hätte ich erwartet, dass diese Gespräche so enden würden.

Ich glaube, die Familie meines Mannes existiert ab dem heutigen Tag an für mich nicht mehr. Bin in solchen Dingen ziemlich konsequent und vermutlich sieht die andere Seite das genauso.

Könnt grad mal in die Ecke kotzen, all diese Lügerei und Heuchelei, da vergehts mir echt, mir ist übel.
Keine Ahnung, ob ich das noch ausführlicher aufschreibe, heute jedenfalls nicht mehr, bin zu kaputt. Mir fehlt Schlaf.

Beerdigung wird jetzt am Freitag sein, hinterher Kirche und dann ab in die Wirtschaft. Denke mal, ich gehe auf den Friedhof, meinetwegen noch zur Kirche - und das war`s dann. 

Zum Abschluss will ich mal Platon zu Wort kommen lassen, er spricht mir aus der Seele:

Die größte Ungerechtigkeit
besteht in geheuchelter Gerechtigkeit.

Mein Gott, wie arm manche Menschen doch sind. Sehen vor lauter Selbstgefälligkeit vermutlich nicht mal mehr das eigene Spiegelbild.

Man könnte sagen, ich hatte heute einen Harry-Potter-ähnlichen Moment ... Fast so, wie am Ende des ersten Teils, als der kleine, stotternde Professor, dem man niemals etwas Böses zutrauen würde, seinen Turban abwickelt und Voldemort zum Vorschein kommt.

Erschreckend. Echt erschreckend - und enttäuschend.
Bin traurig.

*   

24.5.11 20:20


Ein Kommen und ein Gehen

Dem Anlass und meiner Überzeugung entsprechend ...

*

Denk dir ein Bild, weites Meer.
Ein Segelschiff setzt seine weißen Segel und
gleitet hinaus in die offene See.
Du siehst, wie es kleiner und kleiner wird.
Wo Wasser und Himmel sich treffen,
verschwindet es.

Da sagt jemand: Nun ist es gegangen.
Ein anderer sagt: Es kommt.

Der Tod ist ein Horizont,
und ein Horizont ist nichts anderes
als die Grenze unseres Sehens.
Wenn wir um einen Menschen trauern,
freuen sich andere, ihn hinter der Grenze wieder zu sehen.
*

24.5.11 01:59


Tritt ein, bring Tod herein ...

Puuuh - war das ein Abend!

War ja heute für die Nachtschicht am Sterbebett meines Schwiepa`s eingeteilt und so richtig wohl gefühlt hatte ich mich bei diesem Gedanken ja nicht. Tagsüber hab ich mehrmals dran gedacht, dass ich ihm wirklich dankbar wäre, wenn er vor zwanzig Uhr noch sterben würde - aber was er dann gemacht hat, das hätte ich nun doch nicht erwartet.

Hätte um zwanzig vor 8 losfahren müssen, aus irgendeinem Grund hab ich mich aber schon um zehn nach sieben auf den Weg gemacht und seltsamerweise kam ich unterwegs kurz auf den Gedanken, dass es vielleicht etwas doof war, mein Handy schon daheim auf Vibration zu stellen, denn sollte auf dem Weg in die Klinik der Anruf kommen, Schwiegerpaps sei verstorben, würde ich das ja jetzt gar nicht hören.
Hab den Gedanken zwar nicht sonderlich weitergedacht, war aber plötzlich der Meinung, vermutlich doch keine ganze Nachtschicht ableisten zu müssen. War nur so ein Gefühl.

Tja ... ich komme um fünf vor halb auf der Station an, sehe, dass draußen vor seinem Zimmer das rote Lämpchen leuchtet und hab mich noch kurz gefragt, was mein Schwager nebst Frau denn wohl zu klingeln gehabt haben könnten? Sollte irgendwas sein, würde ich die beiden eher auf dem Gang erwarten, als dass sie auf ein Knöpfchen drücken und dann abwarten, bis jemand kommt.

Ich mach also die Tür auf, schaue auf einen weißbekittelten Rücken und diesem gegenüber meinen Schwager, wie er am Bett seines Vaters steht und mit der anderen Person spricht. Ich hör nur "... hat plötzlich ganz ruhig geatmet ... dann noch ein paar mal ganz tief ... " und da war mir klar, was Sache war.

Der weiße Rücken gehörte einer Krankenschwester, die soeben dabei war, nach Herztönen meines Schwiegervaters zu suchen. Alles, was mir noch zu tun blieb, war, meinen Korb abzustellen und direkt meinen Schwager in die Arme zu nehmen, der gerade zu weinen anfing, als im selben Moment die Schwester zu verstehen gab, dass es da nun leider keine Herztöne mehr zu hören gab.

Krass. Ich komm die Tür rein, und Schwiegerpaps ist vermutlich in derselben Sekunde hinausgeschwebt ...

Habe ihm, während mein Schwager telefonieren war, noch ein paar Dinge ins Ohr gesagt und muss ehrlich zugeben, dass ich keinerlei Traurigkeit, sondern einfach nur große Erleichterug gespürt habe. Als seine Frau vor zwei Jahren starb, lief das alles ganz anders ab, sie hatte bedeutend mehr zu leiden, das war echt nicht schön.

Für ihn war heute eigentlich ein "guter Tag zum Sterben", wenn man das so sagen darf. Hatte heute früh noch seine kleine Enkelin auf dem Bett liegen, bekam später diverse Lieder auf der Gitarre vorgeplänkelt und -geträllert und erst heute Nachmittag hat er noch ein Eis gegessen. Wer hätt`s gedacht ...

Keim Geröchel, kein Gekämpfe - hat einfach immer schwächer geatmet und zuletzt halt vollständig damit aufgehört. Hat mich für ihn gefreut, dass ihm ein etwas leichterer Tod beschert war.

Kurz darauf waren alle seine Kinder da, Schwiegertöchter und -sohn ebenfalls, kleine Enkelin inklusive. Ich denke, es hätte ihm gefallen, so verabschiedet zu werden. Ganz bestimmt sogar!

Ich kann keine Wehmut in mir finden. Ich habe meine ganz eigene Vorstellung von tot sein und solange es niemanden betrifft, der viel zu jung oder völlig unsinnig sterben muss, kann ich prima damit umgehen.
In anderen Kulturen würde nun ein Fest gefeiert, man würde singen und tanzen, weil der Verstorbene dieses Stück des Weges endlich bezwungen hat und nun frei von irdischen Fesseln ist - so ein Fest hätte ich für mich SPÄTER auch mal gern.

Oh happy Day sollen sie spielen, wenn ich ALT UND GRAU gestorben bin, aber da das hoffentlich noch ein Weilchen dauert, freue ich mich nun noch ein wenig für meinen Schwiegerpaps, bevor ich dann vielleicht irgendwann auch mal einschlafen kann ...

Mach`s gut, lieber M.,
ich wünschte, ich wüsste, was du nun weißt.

*

24.5.11 00:57


Leben & Tod - digitalisiert

Eben kam meine Schwägerin aus der Klinik zurück. Ihr Paps lebt zwar noch, aber die Betonung liegt eindeutig auf noch ...

Sie hat mir ein Foto auf dem Handy gezeigt, das sie vorhin gemacht hat.
Ihr skelettähnlicher Vater im Krankenbett,
seine 3-monatige Enkeltochter im Arm.

Selten habe ich das zappelnde Leben und den steinernen Tod so eng miteinander vereint gesehen. Mir ist klar, dass das Eine aus dem Anderen folgt und demnach auch zusammengehört. Trotzdem hat mich das Bild erschreckt und abgestoßen. Keine Ahnung warum.
Habe keine Angst vor dem Tod und hatte auch schon häufig engen Kontakt zu Sterbenden, aber irgendwie ist das diesmal alles etwas merkwürdig.

Würde mich gern vor meinen Aufgaben drücken und hab ehrlich gesagt auch etwas Schiss vor meiner Nachtschicht. Bin ich ein schlechter Mensch, wenn ich mir wünsche, Schwiepa erlebt heute Abend 20 Uhr nicht mehr?

Fühle mich mies.

*

23.5.11 12:37


Auf der Zielgeraden ...

Endspurt. Schwiegerpaps wird sterben - heute, morgen, übermorgen ... jedenfalls die kommenden Tage.

Ab heute werden wir wieder im Schichtdienst an seinem Bett sitzen und (so blöd es klingt) drauf warten, dass er aufhört zu atmen. Haben wir vor zwei Jahren genauso gemacht, als seine Frau starb und nun ist also er an der Reihe. "Wir", das sind seine vier Kinder und die beiden dazugehörigen Schwiegertöchter. Den Schwiegersohn, den es noch gibt, kann man nicht einplanen, er ist Alkoholiker und hat schon genug Probleme mit sich selbst.

Irgendwie komisch. Habe keine enge Bindung zu meinem Schwiegervater und bin ehrlich gesagt heilfroh, dass ich erst morgen Abend an der Reihe bin. Nachtschicht. Na ja, mal sehen was mein Mann nachher sagt, wenn er aus der Klinik zurückkommt. Gestern waren wir ja erst dort und dass es jetzt auf einmal so schnell gehen soll, hätte ich nicht erwartet. Sicher, man konnte zusehen, wie er immer weniger wurde (und umgänglicher ...) und wie der Krebs ihn häppchenweise aufgefressen hat - aber letzten Endes kommt das meiste im Leben dann ja doch überraschend. Selbst wenn man schon eine ganze Weile drauf gewartet hat. Vielleicht erübrigt sich meine Nachtschicht ja noch, wer weiß ...

Hhm, man könnte meinen, wir hätten den Zeitpunkt geahnt. Vor ein paar Monaten haben wir beschlossen, unser Haus zu verkaufen, wollten wir Schwiegerpaps aber nicht sagen, weil er sich bestimmt heftige Sorgen gemacht hätte. Diverse Dinge bleiben einfach meistens an meinem Mann hängen und wenn er nicht mehr hier im Ort wohnt, wird es für den jüngsten Bruder (Ende 30, Sorgenkind meiner Schwiegereltern) sicher etwas komplizierter werden, aber man kann sein Leben doch nicht ständig nach anderen ausrichten, oder? Noch dazu, wenn es sich um durchaus erwachsene Menschen handelt, die es sich in manchen Situationen bisher einfach ein wenig zu leicht gemacht haben. Wird eben alles bisschen anders - eine Tatsache, die ich schlicht und ergreifend "Leben" nenne.

Wie es der Zufall will, war erst vor zwei Tagen eine Familie hier, die unser Haus wohl auch kaufen wird - und dann sind wir weg. Würden wir nicht machen, solange Schwiepa noch da ist, aber das scheint nun wohl nur noch eine Frage von höchstens ein paar wenigen Tagen zu sein. Klingt sehr kaltherzig, aber ich muss zugeben, dass ich nicht traurig darüber bin, dass es nun soweit ist. Im Gegenteil.

Bald ist er wieder bei seiner Frau - ich freu mich für ihn, er hat sie lang genug vermisst. Ich hoffe, er kommt gut hinüber.

Schönen Abend noch wünscht
Frollein Rpunkt

*

22.5.11 18:59


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